Es sind die mit Sicherheit schönsten drei Worte, die ein Mensch zu einem anderen Menschen sagen kann. Doch gerade im Kontext von all dem, was u.A. Eva Illouz in Ihrem Buch „Why Love Hurts: A Sociological Explanation“ (2012) beschreibt, ist der tatsächliche Umgang nicht ganz so trivial.
Die aktuell häufigsten beiden möglichen Umgangsformen mit „Ich liebe Dich“ ist entweder die „Flucht“ oder die „Wertlosigkeit“.
Die „Flucht“ erklärt sich über die Angst vor Bindung, die sich gesellschaftlich epidemisch über die letzten Jahre in den kommerzialisierten westlichen Gesellschaften ausgebreitet hat. Stefanie Stahl spricht davon, dass heute wohl jede und jeder zweite Deutsche unter mehr oder weniger starker Bindungsangst leidet. Dabei kann Deutschland durchaus repräsentativ für westliche Staaten sein, die sich in erster Linie durch ein nahe zu komplett durch-kommerzialisiertes Leben auszeichnen – gefühlt ist alles käuflich erwerbbar.
Die „Wertlosigkeit“ ist dem entsprechend eine sehr artverwandte Umgangsform in diesem Kontext, wenn auch die Konsequenzen andere sind. Eine ständig und mit Garantie zur Verfügung stehende Ware hat keinen Preis, ist quasi kostenlos und somit auch wertlos. Menschen, die über Jahre und Jahrzehnte mit der „Logik des Konsumierens“ sozialisiert wurden, sind entsprechend geprägt. Nur eine Knappheit von Ressourcen bedeutet einen hohen Wert. Die Knappheit kann sich durch einen hohen Preis und/oder durch eine sehr limitierte Verfügbarkeit ausdrücken. Die (bewusste) Verknappung von Angebot steigert die Nachfrage und somit den Preis, z.B. die Uhrenmarke „Rolex“ macht das mit Bravour und auch großem kommerziellem Erfolg gerade vor. Jeden Samstag Abend ist etwas sehr ähnliches vor den angesagten Clubs der großen Städte zu sehen. Gute Türsteher:innen, die es mit ihrem Handwerk verstehen die mimetischen Kräfte von Gier, Neid, Eitelkeit und Eifersucht für die kommerziellen Interessen einzusetzen, werden das Angebot und somit den Einlass künstlich reduzieren und somit die Attraktivität des Clubs steigern.
Das offene Eingeständnis von „Ich liebe Dich“ ist der Ausdruck von intensiven und besonderen Gefühlen zu einem Menschen. Es ist das Schönste und Wertvollste, dass ein Mensch einem anderen Menschen schenken kann, es ist nicht erklärbar, nicht käuflich erwerbbar und nicht mit bloßen Worten beschreibbar. Die besten Dichter:innen, Musiker:innen und Künstler:innen habe sich bemüht, es zum Ausdruck zu bringen. Jane Austen beschreibt es, Eva Illouz versucht es soziologisch herzuleiten und Michael J. Sandel erklärt die Ökonomie dahinter.
Jene Menschen, die in der Lage sind, selber auch Gefühle für andere Menschen zu empfinden und damit Verletzlichkeit (vulnerability) zuzulassen, werden ganz genau spüren, wie sie mit dem schönsten Versprechen der Menschlichkeit, dem „Ich liebe Dich“, umgehen.
Alle anderen werden ihr Leben lang unglücklich bleiben und sich dem Pragmatismus hingeben und/oder ihr Leben lang unerfüllt bleiben und/oder ihre für sie nicht nachvollziehbare Frustration an anderen auslassen.
Erich Fromm würde wohl in dem Kontext sagen, es ist einfach, vermeintlich zu lieben, doch es ist überaus schwierig, tatsächlich von Herzen geliebt zu werden.


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